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VON DER COSTA AZZURRA ZUR CÔTE D´AZUR

vor 12 Stunden
6 Min. Lesezeit

Unsere Schiffsreise einmal rund um Italien geht in ihre letzte Runde. Mit Ligurien treten wir die letzte Etappe unserer Seereise an, die wir Mitte August in Triest gestartet haben. Damals, rund um Ferragosto, war es noch heiß. Heute hingegen ist der Morgen an der Küste Norditaliens sehr frisch, um nicht zu sagen, kalt. Das Meer liegt ruhig und schwer unter dem blassen Licht der aufgehenden Sonne, und in der Ferne zeichnen sich die Konturen der Apuanischen Alpen ab. Vor uns liegt eine Reise, die uns von Marina di Carrara bis an die französische Grenze nach Ventimiglia führen wird.



Unser Schiff legt ab und gleitet an breiten Sandstränden vorüber. Dahinter liegen Pinienhaine und kleine Badeorte. "Fast so wie an der Adria", denke ich. Aber die ligurische Küste ist ein Landstrich der Gegensätze: Schon bald fallen steile Berge fast unmittelbar ins Meer und mittelalterliche Dörfer schmiegen sich an felsige Hänge. Wir nehmen Kurs nach Westen und erreichen den Golf von La Spezia, der auch als Golfo dei Poeti, als Golf der Dichter, bekannt ist. Das Wasser schimmert grünblau, und über den Buchten erheben sich Burgen und alte Villen.



Unser erster Halt ist Lerici. Die bunten Häuser des Hafens spiegeln sich im Wasser, während oberhalb des Ortes eine mächtige mittelalterliche Burg über die Bucht wacht. Von ihren Mauern reicht der Blick weit über das Meer bis zu den vorgelagerten Inseln.

Nur ein Stück weiter liegt Tellaro, ein kleines Dorf, das an den Felsen klebt. Schmale Gassen führen zwischen pastellfarbenen Häusern hindurch, Treppen enden an kleinen Plätzen, und unterhalb der Kirche schlagen die Wellen gegen die Küste. Die Landschaft wirkt beinahe zeitlos. Man kann sich gut vorstellen, warum Dichter und Schriftsteller diese Gegend so liebten und hier Inspiration suchten.


Als nächstes segeln wir nach Portovenere, einen der eindrucksvollsten Orte der gesamten Reise. Vom Schiff aus sehen wir eine Reihe hoher, schmaler Häuser in Gelb, Rosa und Ocker. Dahinter steigt der Ort steil an, gekrönt von einer altem Burg. Und auf den dunklen Felsen der Landzunge steht die Kirche San Pietro hoch über dem Meer. Hier wird deutlich, wie eng in Ligurien Architektur und Natur miteinander verbunden sind. Vor der Küste liegen die Inseln Palmaria, Tino und Tinetto. Gemeinsam mit Portovenere und den Cinque Terre gehört die Region zum UNESCO-Welterbe.


Wir gehen an Land und schlendern durch die Caruggi, die engen ligurischen Gassen. In kleinen Geschäften werden Kräuter, Olivenöl und lokale Spezialitäten angeboten.

Jetzt ist Zeit für Pesto alla genovese, die berühmte ligurische Delikatesse: eine Sauce aus Basilikum, Pinienkernen, Knoblauch, Parmesan, Pecorino und Olivenöl. Besonders traditionell schmeckt sie zu Trofie oder Trenette. Aber natürlich zählen auch Muscheln und andere Meeresfrüchte zu den Spezialitäten der Gegend. Und so beschließen wir, in ein kleines Restaurant am Hafen einzukehren und Ligurien mit allen Sinnen zu genießen.


Nach einer kleinen Siesta verlassen wir den Golf der Dichter und segeln nordwestwärts weiter. Die Küste wird schroffer, die Berge rücken näher ans Wasser, und plötzlich tauchen vor uns die berühmten Dörfer der Cinque Terre auf. Sie scheinen an den Hängen zu kleben, als hätten sich die Häuser nur mit Mühe ihren Platz zwischen Fels und Meer erobert.

Die fünf Orte – Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore – sind jeder für sich eine kleine Welt. Monterosso al Mare hat den längsten Sandstrand der fünf Dörfer. Vernazza besitzt einen der schönsten Naturhäfen der Küste. Corniglia liegt hoch oben auf einem Felsvorsprung und ist als einziges der Dörfer nicht direkt am Meer gelegen. Der Aufstieg über die steilen Treppen wird mit einem hinreißenden Ausblick belohnt. Manarola ist berühmt für seine dicht gedrängten, farbigen Häuser und die terrassierten Weinberge, die sich über die steilen Hänge ziehen. Und Riomaggiore beeindruckt mit einer tief eingeschnittenen Bucht, einem kleinen Hafen und hohen Häuserfassaden, die sich fast senkrecht übereinander erheben. Die Dörfer sind durch Wanderwege und Bahnverbindungen miteinander verknüpft. Vom Schiff aus bewundern wir die schmalen Terrassen mit Weinreben, Olivenbäumen und kleinen Gärten. Ein Gesamtkunstwerk! Nicht umsonst zählen die Cinque Terre zum UNESCO-Welterbe.


Wir umschiffen achtsam den Scoglio Gagiato, am Fuße der eindrucksvollen Punta Mesco und erreichen nach einer Serie dramatischer Felslandschaften Sestri Levante, wo sich die Küste endlich wieder öffnet. Auf der einen Seite der Stadt liegt die Baia del Silenzio, die „Bucht der Stille“. Fischerboote ruhen auf dem Sand, bunte Häuser säumen das Ufer, und das Wasser scheint in der geschützten Bucht besonders ruhig zu sein. Auf der anderen Seite erstreckt sich die größere Baia delle Favole, die „Bucht der Märchen“, mit ihrer langen Uferpromenade.



Weiter westlich verändert sich die Küste erneut. In der Bucht von San Fruttuoso liegt zwischen bewaldeten Bergen eine kleine Abtei direkt am Strand. Die Abbazia di San Fruttuoso, deren Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Sie ist nur zu Fuß über Wanderwege oder per Boot erreichbar. Unter Wasser befindet sich an dieser Stelle der berühmte Christus des Abgrunds, eine Bronzestatue, die Taucher anzieht.




Unser nächstes Ziel ist Portofino. Der kleine, berühmte Hafen liegt wie ein natürliches Amphitheater zwischen grünen Hügeln. Pastellfarbene Häuser umrahmen die berühmte Piazzetta, auf der sich elegante Cafés und Restaurants aneinanderreihen. Im Wasser liegen Segelyachten und luxuriöse Motorboote. Ein Spaziergang zum Castello Brown eröffnet einen herrlichen Blick über die Bucht.



Doch Portofino ist ein teures Pflaster. Und so segeln wir weiter. Zu Glück liegt nur wenige Seemeilen entfernt Santa Margherita Ligure. Die Stadt wirkt großzügiger und lebhafter, mit einer langen Promenade, Palmen, Jugendstilvillen und kleinen Badebuchten. Hier zeigt sich die klassische Riviera, die bereits im 19. Jahrhundert wohlhabende Reisende anzog. Berühmt ist dieser Gegend auch für ihre Taggiasca-Oliven.



Je näher wir Genua kommen, desto stärker wird der Schiffsverkehr. Frachter, Fähren und Segelboote kreuzen nun unseren Weg und wir müssen höllisch aufpassen, uns in dem Treiben zurechtzufinden. Schließlich war Genua über Jahrhunderte eine mächtige Seerepublik. Ihr Reichtum spiegelt sich noch heute in den prächtigen Palästen und Kirchen wider. Besonders beeindruckend sind die Palazzi dei Rolli an der Via Garibaldi, prachtvolle Adelspaläste, die zum UNESCO-Welterbe gehören. Auch die schwarz-weiß gestreifte Fassade der Kathedrale San Lorenzo ist ein Blickfang.


Wir aber beschließen, diese hektische Großstadt nur vom Wasser aus zu bewundern, unsere Reise fortzusetzen und nach Savona, einer ebenso traditionsreichen, wenn auch kleineren Hafenstadt, weiterzusegeln, die wir besichtigen wollen. Über dem Meer erhebt sich die mächtige Festung Priamar. aus dem 16. Jahrhundert, die das Stadtbild beherrscht. Von den Mauern aus schauen wir über den Hafen und die Dächer der Altstadt. Am Wasser steht der Torre Leon Pancaldo, ein historischer Wehrturm, der zu den Wahrzeichen Savonas zählt.



Danach segeln wir aufgeregt weiter - immer näher an die französische Grenze und damit die Côte d´Azur. Das nächste Ziel ist Alassio. Der Ort ist bekannt für seinen feinen Sandstrand, die von Palmen gesäumte Promenade und die eleganten Häuser direkt am Meer. Eine Besonderheit ist das Muretto di Alassio, eine mit bunten Keramikfliesen geschmückte Mauer, auf denen zahlreiche Persönlichkeiten ihre Signaturen hinterlassen haben.



Vorbei an Imperia segeln wir weiter und gelangen nach Sanremo. Die Stadt ist einer der bekanntesten Badeorte der Riviera und wird wegen ihrer Blumenfelder und ihres milden Klimas auch als Teil der Riviera dei Fiori, der Blumenriviera, bezeichnet. Palmenalleen, elegante Hotels, die lange Küstenpromenade und das berühmte Casino erinnern an die glanzvolle Zeit der Belle Époque, als wohlhabende Reisende aus ganz Europa hier den Winter verbrachten. Aber auch heute ist Sanremo noch ein mondäner Ferienort, der auch für sein Musikfestival berühmt ist, das jedes Jahr zahlreiche Besucher anzieht. Der Gewinner des Festival di Sanremo ist seit vielen Jahrzehnten auch immer der Teilnehmer Italiens am Eurovision Song Contest.


Schließlich brechen wir zur letzten Etappe auf. Man kann die Nähe Frankreichs förmlich schon spüren und in der Ferne die ersten Ausläufer der Côte d’Azur erkennen. Wir legen in Ventimiglia vor Anker. Das mittelalterliche Städtchen liegt auf einem Hügel über dem Fluss Roia. Die Kathedrale Santa Maria Assunta mit ihrem romanischen Charakter und das benachbarte Baptisterium erzählen von der langen Geschichte der Stadt. Ein besonders lohnender Ausflug führt zu den Hanbury-Gärten bei La Mortola, westlich der Stadt. Die botanischen Gärten erstrecken sich terrassenförmig über einen Hang bis zum Meer. Zwischen exotischen Pflanzen, Palmen und mediterranen Gewächsen eröffnen sich immer wieder Ausblicke auf das tiefblaue Wasser der Costa Azzurra, die hier in die Côte d´Azur übergeht.


Wer die Reise verlängern möchte, kann von hier aus mit dem Schiff oder auch dem Zug weiter nach Frankreich fahren. Unsere Reise jedoch endet in Ventimiglia. Wir werden die nächsten Tage hierbleiben, um das Meer und die letzten Sonnenstrahlen vor dem Winter noch zu genießen, durch den prächtigen Garten der Villa Hanbury zu lustwandeln und Pläne für den Frühling zu schmieden. Nur so viel sei verraten: Italien, wir kommen wieder!

 
 
 

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