top of page

DIE KÜSTE DER ETRUSKER

vor 6 Stunden
7 Min. Lesezeit


Vor einigen Tagen sind wir in Tarquinia an Bord unseres Segelschiffs aufgebrochen, um die Küste der Toskana zu entdecken. Eine Seereise, die uns vom nördlichen Latium durch die abwechslungsreiche Landschaft der Toskana, durch die Maremma und Versilia, bis hinauf nach Carrara geführt hat - die Küste der Estrusker entlang.


Bei Montalto di Castro ist die Landschaft weit und offen. Lange Sandstrände wechseln sich mit Dünen, Feldern und Pinienwäldern ab. Hier wirkt das Mittelmeer noch naturbelassen und weniger mondän als an den berühmten Badeorten weiter nördlich.


Weiter nördlich thront das Dorf Capalbio auf einem Hügel, einige Kilometer vom Meer entfernt über der Maremma. Ein besonderes Erlebnis ist der Giardino dei Tarocchi, ein fantasievoller Skulpturenpark mit farbenprächtigen, mosaikverzierten Figuren, die von den Tarotkarten inspiriert sind. Er liegt im Hinterland und ist besonders für Kunstliebhaber und Familien interessant. Kulinarisch dominiert hier die rustikale Maremma-Küche: Wildschweinragout, hausgemachte Pici-Nudeln, Pecorino-Käse und kräftige Rotweine. Wer lieber am Meer bleibt, findet kleine Lokale, in denen Fang des Tages und Muscheln im Mittelpunkt stehen.


Langsam verändert sich die Landschaft. Vor uns erhebt sich Monte Argentario, eine zerklüftete Halbinsel mit steilen Hängen, duftender Macchia und kleinen Buchten, die wie versteckte Juwelen zwischen den Felsen liegen. Hier wird die Fahrt zum Segelerlebnis im eigentlichen Sinn. Das Wasser leuchtet in tiefen Blau- und Türkistönen, während wir an felsigen Landzungen vorbeigleiten. An manchen Stellen fällt das Land steil ins Meer ab und es gibt viele kleine Buchten, in denen man ankern und schwimmen kann. Zwei Orte prägen die Halbinsel: Porto Santo Stefano und Porto Ercole.


Porto Santo Stefano ist ein lebhafter Hafen mit Fischerbooten, Promenade und Restaurants. Von hier verkehren auch Fähren zur Insel Giglio. Oberhalb des Ortes wacht die spanische Festung Fortezza Spagnola über die Bucht.

Porto Ercole hingegen wirkt intimer und romantischer. Pastellfarbene Häuser schmiegen sich an den Hafen, kleine Boote schaukeln im Wasser, und auf den Hügeln erinnern auch hier alte spanische Festungsanlagen an die einstige strategische Bedeutung dieser Küste.


Am nächsten Morgen setzen wir unsere Reise nach Norden fort. Wir lassen Monte Argentario hinter uns und passieren die Lagunenlandschaft von Orbetello. Die Stadt liegt auf einer schmalen Landzunge zwischen zwei Lagunenseen, die durch Sandstreifen mit dem Festland und dem Monte Argentario verbunden sind. Von Deck aus beobachten wir Wasservögel, die über den flachen Lagungen kreisen. Mit etwas Glück lassen sich Flamingos und Reiher entdecken.


Unser nächstes Ziel ist der Parco Regionale della Maremma. Hier ist die Landschaft ursprünglicher als in vielen anderen Teilen Italiens: Pinien, Macchia, Sandstrände und Felsklippen bilden ein Mosaik, das von zahlreichen Tierarten bewohnt wird.

Am nördlichen Rand des Parks liegt Talamone, ein kleines Dorf auf einem Felsvorsprung. Über dem Hafen erhebt sich die Festung, und von den Gassen aus öffnet sich der Blick auf das Meer. Hier scheint die Zeit langsamer zu vergehen als anderswo.


Der Wind steht günstig, und wir gleiten weiter entlang der Küste. Bald erscheint Castiglione della Pescaia, dessen mittelalterliche Burg über den bunten Häusern und dem Hafen thront.

Der Ort verbindet Badeurlaub mit Geschichte. Die Altstadt ist von engen Gassen durchzogen, die sich den Hügel hinaufwinden. Oben angekommen, genießen wir einen weiten Blick über den Strand, die Lagunenlandschaft und das offene Meer. Unterhalb der Stadt locken lange, flache Sandstrände, die von Pinienwäldern gesäumt sind.


Weiter nördlich erreichen wir den mondänen Küstenort Punta Ala mit seinem bekannten Yachthafen. Hier liegen teure Segelboote und Sportyachten im Hafen. Zwischen den Segelmasten entdecken wir luxuriöse Hotels, kleine Cafés, edle Restaurants und exklusive Boutiquen. Welch ein Kontrast zum Naturschutzgebiet zuvor!


Am folgenden Tag verändert sich die Küste erneut. Wir erreichen Piombino, eine Stadt auf einem felsigen Vorsprung, von der aus die Insel Elba zum Greifen nah scheint. Besonders eindrucksvoll ist die Piazza Bovio, ein weitläufiger Platz unmittelbar über dem Meer. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zu den Inseln des toskanischen Archipels. Piombino besitzt außerdem eine historische Altstadt mit Festungsanlagen, schmalen Straßen und Spuren seiner mittelalterlichen und Renaissance-Vergangenheit.Von hier aus könnten wir jetzt einen Abstecher nach Elba unternehmen. Aber wir blebien auf Kurs und segeln zum nahe gelegenen Golf von Baratti.


Die Bucht ist ein kleines Naturparadies: ein geschützter Strand, klares Wasser und ein dichter Pinienwald, der bis an den Strand reicht. Oberhalb der Küste liegt Populonia, eine der bedeutenden antiken etruskischen Siedlungen am Meer. Im archäologischen Park lassen sich Nekropolen, Überreste antiker Industrieanlagen und historische Siedlungsspuren erkunden. Die Etrusker gewannen und verarbeiteten in dieser Region unter anderem Eisen, das über die Küste gehandelt wurde. So wird deutlich, dass das Meer schon vor Jahrtausenden nicht nur Erholungsraum, sondern auch Verkehrsweg und Lebensgrundlage war.


Wir segeln weiter an der Costa degli Etruschi, der etruskischen Küste. In San Vincenzo erwartet uns ein Badeort mit Sandstrand, Promenade und modernem Hafen. Hier ist die Atmosphäre ungezwungen: Familien genießen das Meer, Radfahrer fahren entlang der Küste, und die Restaurants ringsum bieten gegrillten Fisch an. Dementsprechend voll ist es hier im Sommer.


Doch die eigentlichen Schätze dieser Etappe liegen etwas landeinwärts. Wir verlassen das Schiff und fahren durch Weinberge und Olivenhaine nach Bolgheri. Schon die Zufahrt ist ein Erlebnis: Die berühmte Viale dei Cipressi, eine lange Allee aus hoch aufragenden Zypressen, führt durch die toskanische Landschaft zum mittelalterlichen Dorf. Hinter dem Stadttor liegen enge Gassen, kleine Geschäfte, Weinkeller und Restaurants. Die Umgebung ist international für ihre Spitzenweine bekannt, darunter der legendäre Sassicaia. Wir kehren ein und genießen die Toskana von ihrer besten, der kulinarischen Seite.


Nördlich von San Vincenzo wird die Küste abwechslungsreicher. Sandstrände wechseln mit Felsabschnitten, und das Meer brandet gegen dunkle Klippen. Die kleine Bucht Baia del Quercetano ist besonders reizvoll. Pinien wachsen auf den Hängen, die Häuser liegen zwischen dem Grün, und das Wasser schimmert in tiefem Blau. Das nahe Castello Pasquini erinnert an die elegante Vergangenheit des Ortes.



Dann taucht endlich Livorno am Horizont auf, eine Stadt, die ihre maritime Identität bis heute bewahrt hat. Statt romantischer Dorfidylle erwartet den Besucher hier ein lebendiger Hafen, geprägt von Handel, Fischerei und einer langen Geschichte als bedeutende Hafenstadt. Wir beschließen an Land zu gehen und machen einen Spaziergang über die Terrazza Mascagni, deren schwarz-weißes Schachbrettmuster einen herrlichen Blick auf das offene Meer bietet. Anschließend schlendern wir durch das Viertel Venezia Nuova, dessen Kanäle, Brücken und alten Lagerhäuser an Venedig erinnern. Abends gehen wir in einer kleinen Trattoria essen. Wir wollen die berühmteste Spezialitäten der Stadt kosten: Cacciucco, eine würzige Fischsuppe mit verschiedenen Fisch- und Meeresfrüchtesorten, traditionell mit geröstetem Brot serviert. Wer es unkomplizierter mag, probiert cinque e cinque, ein lokales Streetfood aus Kichererbsenfladen und Brot.


Am nächsten Tag verlassen wir Livorno und setzen unsere Reise nach Norden fort. Die Küste wird flacher, und bald erreichen wir Marina di Pisa. Hier mündet der Arno ins Mittelmeer. An der Flussmündung stehen traditionelle Fischernetze über dem Wasser, die von den Fischern der Gegend seit Jahrhunderten auf diese Weise genutzt werden.



Natürlich lockt auch das nahe gelegene Pisa. Die berühmte Piazza dei Miracoli mit dem Schiefen Turm, dem Dom und dem Baptisterium wollen wir uns nicht entgehen lassen. Schließlich gehört sie zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Italiens. Sie liegt nicht unmittelbar am Meer, ist aber von Marina di Pisa aus ein lohnendes Ausflugsziel.

Am nächsten Morgen nehmen wir wieder Kurs nach Norden. Vor uns liegt Viareggio, ein eleganter Badeort Stadt mit breiten Sandstränden, einer langen Promenade und prachtvollen Gebäuden im Jugendstil. Hier zeigt sich eine andere Seite der toskanischen Küste: Statt mittelalterlicher Festungen und stiller Fischerdörfer begegnen uns Strandbäder, historische Cafés, Boutiquen und die Atmosphäre eines traditionsreichen italienischen Seebads. Viareggio ist außerdem berühmt für seinen farbenprächtigen Karneval mit riesigen, kunstvoll gestalteten Umzugswagen. Wir überlegen, mal im Februar herzukommen.


Doch für uns geht es weiter. Ein Stück weiter nördlich liegt Forte dei Marmi. Der Ort ist ebenfalls für seine gepflegten Strandbäder, seine Einkaufsstraßen und seine mondäne Atmosphäre bekannt. Die Seebrücke bietet einen schönen Blick auf das Meer, während sich im Hinterland eindrucksvoll die Apuanischen Alpen erheben. Die Versilia eignet sich besonders für Reisende, die Badeurlaub mit Kultur, gutem Essen und einem Hauch italienischer Eleganz verbinden möchten. In der Hochsaison ist sie stark besucht. Wir aber genießen unsere Reise abseits der Massen.


Je weiter wir nach Norden segeln, desto näher scheinen die Berge an das Meer zu rücken. Bevor wir unseren Zielhafen erreichen, machen wir noch einen letzten Abstecher nach Pietrasanta, die etwas landeinwärts liegt. Es ist die Stadt der Bildhauer, Kunsthandwerker und Galerien. Auf den Plätzen stehen Skulpturen, in den Gassen finden sich Werkstätten und kleine Kunstausstellungen. Seit langer Zeit schon zieht die Gegend Künstler an, die mit dem Marmor der nahen Berge arbeiten. Wir besuchen die Piazza del Duomo, bewundern die Kathedrale San Martino und lassen uns durch die kleinen Straßen treiben.


Am letzten Reisetag liegt eine besondere Landschaft vor uns. Die Apuanischen Alpen erheben sich mächtig über der Küste. Ihre hellen Flanken wirken aus der Ferne, als hätte jemand Schnee über die Berge gestreut. Doch es ist kein Schnee: Es ist der berühmte Marmor von Carrara! Wir nähern uns Marina di Carrara, wo sich die Küste und die Berge auf eindrucksvolle Weise begegnen. Es ist ein guter Ort, um die Segelreise ausklingen zu lassen. Von hier aus fahren wir ins nahe gelegene Carrara. Die Stadt ist seit Jahrhunderten eng mit dem Abbau und der Verarbeitung von Marmor verbunden. Künstler aus aller Welt kamen hierher, um den begehrten Stein zu kaufen oder an ihm zu arbeiten.

In der Altstadt entdecken wir die Piazza Alberica, elegante historische Fassaden und Bauwerke, die den Marmor auf vielfältige Weise zur Schau stellen. Besonders sehenswert sind der Dom von Carrara, der mit seinem hellen Marmor beeindruckt, und das örtliche Marmormuseum, das die Geschichte des Steinbruchs und seiner Verarbeitung vermittelt.

Wir machen einen Ausflug in die Marmorsteinbrüche der Apuanischen Alpen. Dort sehen wir gewaltige helle Felswände, tiefe Abbaustellen und die Spuren einer jahrtausendealten Handwerkstradition. Die Dimensionen der Steinbrüche sind überwältigend. Sie zeigen, wie stark die Landschaft durch den Menschen geprägt wurde.


Müde von soviel Eindrücken ziehen wir uns in unsere Kajüte zurück, um uns auszuruhen. In ein paar Tagen treten wir nämlich die letzte Etappe unserer Rundreise entlang an den Küsten rund um Italien an. Ligurien wartet auf uns!

 

 
 
 

Kommentare


bottom of page