IL MARE DELLA BASILICATA

Am frühen Morgen haben wir in Marina Ginosa die Leinen gelöst und sind in See gestochen. Hinter uns lag Apulien, vor uns das Tyrrhenische Meer und die 70 km lange Küste der Basilikata. Der Wind stand günstig, und während die Segel sich füllten, begann zwischen dem Blau des Meeres und den grünen Hügeln des Hinterlandes eine Reise durch eine Landschaft, in der Geschichte und Natur eng miteinander verbunden sind. Die erste Etappe führte entlang der ionischen Küste der Basilikata. Lange Sandstrände, Dünen und Pinienwälder säumten das Ufer. Ab und zu tauchten kleine Flussmündungen auf, die aus den Bergen des Landes zum Meer hinunterführen.

Hinter dieser scheinbar sanften Küstenlandschaft verbirgt sich eine uralte Geschichte: Die Region gehörte einst zur "Magna Graecia", jener griechischen Kolonie, die sich in der Antike über ganz Süditalien erstreckte. Besonders eindrucksvoll ist Metaponto, etwas landeinwärts gelegen, wo die Reste griechischer Tempel von einer vergangenen Epoche erzählen. Die berühmten Tavole Palatine, die dorischen Säulen eines Hera-Heiligtums, erinnern daran, dass hier vor mehr als zweitausend Jahren griechische Siedler lebten und Handel trieben.

Weiter südlich kamen wir an Policoro vorbei. Die Gegend ist heute für ihre Naturschutzgebiete und ausgedehnten Küstenwälder bekannt. An Land wechseln sich fruchtbare Ebenen mit Hügeln und den ersten Ausläufern des Pollino-Gebirges ab. Wir machten in einer kleinen, einsamen Bucht Halt, um zu baden und uns über den Proviant herzumachen: Brot aus dem Holzofen, kräftiges Olivenöl, frische Tomaten, gegrillte Peperoni, kräftiger Pecorino und dazu ein Glas Aglianico del Vulture, einer der großen Weine der Basilikata.

Je weiter wir nach Süden kamen, desto stärker veränderte sich die Küste. Bei Nova Siri und Rotondella wurde das Gelände hügeliger, und schließlich erreichten wir die Gegend von Tursi und Rocca Imperiale, wo die Landschaft bereits den Übergang nach Kalabrien ankündigt. Unser Kurs führte jedoch weiter westwärts, hinein in den Golf von Policastro.

Hier zeigte die Basilikata ein vollkommen anderes Gesicht. Die flachen Strände verschwanden, an ihre Stelle traten steile Felswände, bewaldete Hänge und kleine Buchten. Das Meer wurde dunkler und tiefer, die Küste dramatischer. Hoch über dem Wasser mitten im Felsen liegen kleine, uralte Orte und immer wieder entdeckten wir vom Boot aus mittelalterliche Dörfer, Kirchen und Burgruinen, die sich an die Berghänge schmiegen.

Dann endlich tauchte über der Küste die gewaltige weiße Christusstatue von Maratea auf. Hoch über dem Ort steht der Cristo Redentore, dessen ausgebreitete Arme weit über das Meer zu reichen scheinen. Darunter liegt Maratea, die mit ihren zahlreichen Gotteshäusern, engen Gassen und kleinen Plätzen auch „Stadt der 44 Kirchen“, "Città delle 44 chiese" genannt wird.
Hier beschlossen wir, an Land zu gehen. Der Porto von Maratea liegt eingebettet und geschützt durch die Klippen des Golfs von Policastro. Es ist ein kleiner, lebendiger Hafen mit Fischerbooten, Jachten, bunten Häusern und einer gemütlichen Piazzetta. Wir beschlossen in einem der zahlreichen Restaurants direkt am Wasser essen zu gehen. Natürlich frisch gefangenen Fisch. Anschließend machten wir einen Abendspaziergang an der Promenade entlang und freuten uns schon auf den nächsten Morgen, wenn es hieß: Kalabrien wir kommen!






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