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MIT DEM SEGELBOOT VON TRIEST NACH GRADO


Triest – nicht umsonst auch die „Città dei Venti“ genannt – wird ständig von einem der vier Winde Bora, Scirocco, Libeccio und Mistral heimgesucht. Deshalb ist sie auch Austragungsstätte der größten Segelregatta der Welt, der "Barcolana" (siehe Foto), und daher die „Hauptstadt des Segelns“. Das nahegelegene Grado wiederum ist dafür berühmt, dass hier 300 Tage im Jahr die Sonne scheint. Was liegt also näher, unsere sommerliche Italien-Segeltour auf dieser Strecke zu beginnen.


Noch bevor die Sonne über dem Karst stand, haben wir heute Morgen in Triest die Leinen gelöst und sind in See gestochen. Ein leichter Wind strich durch das Rigg, die Segel füllten sich, und das Boot glitt leise aus dem Hafen. Es ging vorüber am Leuchtturm La Lanterna, an den imposanten k. und k. Fassaden der Palazzi an der Piazza Unità d´Italia, am Molo audace und am ältesten Caffè der Stadt, dem Tommaseo, wo die die Kellner den ersten Gästen ihren Kaffee servierten, hinaus in den Golf von Triest. Vor uns lag die offene Adria.


An Steuerbord zog schon nach kurzer Zeit das Schloss Miramare vorbei, die Sommerresidenz Erzherzog Maximilians, wo auch Kaiser Franz-Josef mit seiner Gattin Sisi öfters zu Gast waren. Vom Wasser aus wirkte der weiße Bau besonders eindrucksvoll, hoch über dem Meer und umgeben von seinem weitläufigen Park. Ein letzter Blick zurück – dann nahm der Wind zu und trug uns weiter nach Westen.



Die Küste der oberen Adria veränderte langsam ihr Gesicht. Aus den steilen Hängen rund um Triest wurde flaches Land. Das Meer wurde ruhiger, und zwischen den Wellen tauchten immer häufiger flache Sandbänke und kleine Inseln auf. Für Segler ist diese Küste eine eigene Welt: Wind, Strömung und Wassertiefe verlangen Aufmerksamkeit, besonders dort, wo die Fahrwasser in die Lagunen führen. Aber zum Glück haben wir einen erfahrenen Kapitän an Bord.


Am Nachmittag erreichten wir die Lagune von Grado. Zwischen Inseln, Schilf und schmalen Kanälen liegt eine Landschaft, die vom Wasser geprägt ist. Immer wieder entdecken wir die traditionellen Casoni, einfache Fischerhütten mit charakteristischen Strohdächern. Mit etwas Glück lassen sich auch Reiher oder andere Wasservögel beobachten. Immerhin umfasst die Lagune rund 90 Quadratkilometer und gehört zu den wertvollsten

Naturräumen der nördlichen Adria.



Und ganz plötzlich erscheint Grado vor unseren Augen. Die freundliche „Sonneninsel“ breitet sich mit ihren goldenen Sandstränden vor uns aus und heißt uns willkommen. Wir laufen mit dem Boot in den alten Hafen ein, der umgeben von Bars, Restaurants und Fischern das Herz der Stadt darstellt.


Wir holen das Segel ein, legen an und gehen von Bord. Zu Fuß lässt sich die alte Seefahrerstadt am besten entdecken. Durch enge Gassen und kleine Plätze gelangt man zur Basilika Sant’Eufemia und zur Basilica di Santa Maria delle Grazie. Mit seiner 1.600 Jahre alten Geschichte hat die Altstadt Grados bis heute ihren Charakter eines alten Fischerdorfes mit dem Charme venezianischer Einflüsse bewahrt.


Wer länger bleibt, sollte einen Ausflug nach Aquileia einplanen, der einst bedeutenden römischen Stadt ganz in der Nähe, deren Hafen Grado ursprünglich bloß war. Heute gehört das archäologische Areal mit seinen frühchristlichen Mosaiken zum UNESCO-Welterbe.

Für den Abend, wenn der Sonnenuntergang Himmel und Wasser langsam gold und rosa färbt, planen wir einen Spaziergang an der Hafenpromenade zu machen und in ein Restaurant an der Mole einzukehren, wo man in unmittelbarer Nähe zum Wasser den Tag bei einer köstlichen Fischsuppe und Prosecco ausklingen lassen werden, ehe wir morgen Früh unseren Segeltörn entlang der Küsten Italiens fortsetzen.


 
 
 

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