ÜBER DAS MEER VON GRADO NACH CHIOGGIA
- I LOVE ITALY

- vor 1 Tag
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Als wir am frühen Morgen in Grado ablegten, lag die "isola del sole" noch halb im Schlaf. Nur aus der Bar am Porto drang leises Klappern von Geschirr und der Duft des frisch aufgebrühten Kaffees auf die Straße. Langsam tuckerten wir den Kanal entlang, an den Fischerbooten vorüber hinaus aufs offene Meer. Über der Lagune hing ein feiner Schleier, und das Wasser war so ruhig, dass unser kleines Segelboot kaum schaukelte. Wir lösten die Leinen, setzten das Großsegel und machten uns auf die Fahrt Richtung Süden. Während Grado hinter uns immer kleiner wurde und schließlich mit dem Horizont verschwamm, steuerten wir Chioggia an. Der Wind kam schwach von Osten und wir lauschten dem leisen Knattern des Segels und dem Plätschern des Wassers am Bug. Auf dem Wasser fühlt sich die Küste anders an als von der Straße: weiter, stiller, zeitlos.
Je weiter wir nach Süden segelten, desto stärker veränderte sich die Landschaft. Die Küste wurde zu einer langen Linie aus Sand, Pinien und flachen Lagunen. Ab und zu tauchte ein Fischerboot auf. Über dem Wasser kreisten Möwen, und am Horizont schwebten die Türme und Häuser der Badeorte wie eine Fata Morgana.

Am Nachmittag erreichten wir die Gegend von Lignano und Bibione, die beliebten Badeorte, die für ihre langen Sandstrände bekannt sind. Für diejenigen, die lieber kleinere historische Orte entdecken, ist dagegen Caorle interessanter, auf das wir sogleich Kurs nahmen. Schon vom Wasser aus wirkt der Ort anders als die großen Strandbäder. Der historische Stadtkern mit seinen engen Gassen und bunten Häusern scheint sich unmittelbar aus dem Meer zu erheben. Besonders eindrucksvoll ist die kleine Altstadt mit dem Dom und dem freistehenden Glockenturm, die würdevoll an einem vorüber gleiten.

Kurz darauf wird die Lagune zu einem Naturspektakel: eine stille, fast geheime Welt aus Schilf, den traditionellen Fischerhäusern, den sogenannten Casoni, und weit verzweigten Wasserwegen, welche die Orte an der Küste miteinander verbinden. Es ist heiß und so beschließen wir, uns abzukühlen und zu baden. Unweit der Küste ankern wir und springen ins Kühle Nass.

Danach geht es erfrischt weiter. Der Wind ist kräftiger geworden und unser Boot nimmt Fahrt auf. Vor uns liegt Jesolo. Wer lange Strände, belebte Promenaden, gut besuchte Restaurants und ein großes Angebot an Freizeitaktivitäten sucht, findet hier alles, was einen klassischen Sommerurlaub an der Adria ausmacht. Wir aber wollen weiter - nach Venedig - und halten Kurs auf Süden. Und tatsächlich, schon bald taucht vor unseren stauenden Augen die Serenissima am Horizont auf... Oder besser gesagt der ihr vorgelagerte Lido.

Majestätisch ziehen prachtvollevenezianische Villen,luxuriöse Jahr-hundertwende-Hotels und vornehme Stabilimenti balneari mit ihren einzigartigen historischen Badehütten aus Holz in der Ferne an uns vorüber, während wir an Malamocco, Alberoni, Pellestrina und Murazzi vorbei nach Chioggia weiter segeln.

Langsam geht die Sonne unter, als endlich die ersten Häuser von Chioggia auftauchen. Die Stadt scheint auf dem Wasser zu schwimmen. Nicht umsonst wird sie auch als „kleine Schwester Venedigs“ bezeichnet, doch eigentlich braucht die Stadt diesen Vergleich gar nicht. Ihre besondere Atmosphäre entsteht aus dem Zusammenspiel von Kanälen, Fischmarkt, Brücken, alten Häusern und dem täglichen Leben der Fischer. Hier gibt es noch authentisches Leben und nicht nur Tourismus wie in der Serenissima. Ein Spaziergang entlang des Canal Vena gehört zu den schönsten Erlebnissen. Auch kulturell hat die Stadt einiges zu bieten, darunter das Museo di Zoologia Adriatica „Giuseppe Olivi“.
Wir sind todmüde, als wir nach dem ganzen Tag auf dem Boot langsam in den Hafen einlaufen. Das feste Land unter den Füßen fühlt sich nach dem stundenlangen Geschaukel beinahe ungewohnt an. Wir beschließen daher, den Spaziergang durch die Stadt auf den nächsten Tag zu verschieben und gehen in ein kleines Ristorante in der Nähe des Hafens zum Abendessen. Pasta, gegrillter Fisch und natürlich einen Spritz. Den haben wir uns verdient! Denn morgen Früh geht´s weiter, übers Meer an die Küste der Emilia Romagna...





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